Vor 50 Jahren: „Willy, Willy“-Sprechchöre machen Geschichte

Es gibt viele Fotos, die symbolisch für große geschichtliche Ereignisse stehen. Manchmal sind es auch Töne. Wer am 19. März 1970 im Fernsehen die ARD-Tagesschau verfolgte, hat die Sprechchöre noch im Ohr. Damals gab es in Erfurt ein erstes innerdeutsches Gipfeltreffen. Der westdeutsche Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) war nach Thüringen gereist, um den DDR-Regierungschef Willi Stoph (SED) zu treffen. Das Treffen in Erfurt und ein weiteres im hessischen Kassel am 21. Mai bedeuteten den Auftakt der von Brandt eingeleiteten Entspannungspolitik. Tausende von Menschen standen an den Straßen, als Brandt und Stoph vom Bahnhof zum Hotel gingen. Hunderte durchbrachen die Polizeiabsperrungen, postierten sich vor dem Hoteleingang und riefen in Sprechchören nach „Willy“. Allen war klar, dass nicht der DDR-Regierungschef gemeint war.