Vor 110 Jahren: Roald Amundsen auf dem Weg zum Südpol

Am 7. Juni 1910 stach Roald Amundsen (1872-1928) in der norwegischen Hauptstadt Kristiania (Oslo) mit dem Packeis-tauglichen Segelschiff „Fram“ in See. Die Finanzierung hatte er für eine Forschungsreise in die Arktis eingeworben, aber eigentlich wollte Amundsen woanders hin: Zum Südpol! In der Arktis war für ihn kein Ruhm mehr zu gewinnen, denn der US-Amerikaner Robert E. Peary hatte 1909 schon den Nordpol erreicht. Am Südpol aber war noch niemand gewesen. Am 9. September 1910 informierte Amundsen in Madeira die Mannschaft über das eigentliche Ziel, den Südpol. Am 1. Oktober unterrichtete er seine Geldgeber. Mit Amundsens Entscheidung nahm eine tragische Geschichte ihren Lauf. Der Südpol war bereits das Ziel von Robert Scott, der am 15. Juni 1910 mit seiner Crew auf der Terra Nova aufgebrochen war. Am 14. Dezember 1911 erreichte Amundsen mit vier Begleitern den Südpol. Vier Wochen später traf Robert Scott ein. Zweiter! Welche Enttäuschung. Scott und seine Leute starben auf dem Rückweg an Erschöpfung. Gemessen an den bei seinen Expeditionen erreichten Zielen ist Amundsen der erfolgreichste Entdeckungsreisende in Arktis und Antarktis. Er durchfuhr als Erster die Nordwestpassage, als Zweiter nach Adolf Erik Nordenskjöld auch die Nordostpassage. Er erreichte mit seiner Expedition als erster den Südpol, und da die anderen ihre ihre Ansprüche nicht eindeutig belegen konnten, gehört Amundsen vielleicht auch zu den ersten Menschen am geographischen Nordpol. Diesen erreichte er als Leiter eines transarktischen Fluges im Luftschiff Norge zusammen mit 15 weiteren Expeditionsteilnehmern am 12. Mai 1926. Amundsen kam 1928 bei einem Rettungsflug für den in Not geratenen italienischen Polarforscher Umberto Nobile ums Leben.