Kalender der Kulturen

Heute vor 30 Jahren: Lech Walesa zum polnischen Staatspräsidenten gewählt (9.12.1990)

Über der deutsch-deutschen Geschichte wird leicht vergessen, dass auch andere Länder einen langen Weg vom kommunistischen System unter Vorherrschaft der Sowjetunion bis zur Demokratie nach westlichem Muster zurücklegten. Ein Beispiel ist Polen, wo Lech Walesa nach dem Zusammenbruch des Kommunismus zum Staatspräsidenten gewählt wurde. Schon 1970 beteiligte sich Walesa führend an Streiks auf der Danziger Werft und ließ sich auch durch Haft/Gerichtsverfahren nicht abschrecken. Am Ende war er von 1980 bis 1990 Vorsitzender einer unabhängigen Gewerkschaft Solidarność und Gegenspieler der Regierung. In dieser Zeit wurde im 1983 der Friedensnobelpreis verliehen. Als 1989 die kommunistische Herrschaft in den osteuropäischen Ländern zerfiel, stand in Walesa ein starker und geachteter Oppositionsführer für die Mitgestaltung des Übergangs bereit. 1990 bis 1995 war er Staatspräsident Polens. Er organisierte den politischen Wandel Polens von einem realsozialistischen zum demokratisch-marktwirtschaftlichen System der Dritten Polnischen Republik. In späteren Jahren ging die politische Entwicklung allerdings an ihm vorbei und sah Walesa sich auch immer wieder mit Fragen nach einer Spitzeltätigkeit für den polnischen Geheimdienst konfrontiert.