Erntedankfest

Im Spätsommer und Herbst ist Erntezeit für viele Gemüsesorten, Obst und Getreide. Ist die Ernte gut, haben die Menschen genug zu essen. Das ist jedoch nicht selbstverständlich. Erntefeste sind deshalb so alt wie der Ackerbau. Die Menschen danken damit Gott für die Gaben. Im Mittelalter ließen Schnitter am ersten Erntetag ihre Geräte segnen, auf dem Feld betete die älteste Magd für alle ein Vaterunser. In manchen Gegenden wird bis heute ein aus Ährengarben geflochtener Kranz aufgehängt oder werden Kirmes- und Winzerfeste gefeiert. Lange Zeit gab es keinen einheitlichen Festtermin, weil die Ernte nicht überall zur selben Zeit eingebracht wurde. In Preußen wurde das Erntedankfest ab 1773 eingeführt und auf den „Sonntag nach Michaelis“ (29. September) gelegt. Dieser Termin hat sich in den deutschen Kirchen dann durchgesetzt, so dass das Erntedankfest meist auf den ersten Sonntag im Oktober fällt. Immer noch sind am Erntedankfest die Altäre mit Ähren, Obst und Gemüse, Blumen und Brot geschmückt, um an den Segen und die Mühe der Ernte zu erinnern. Natürlich kann man auch für anderes dankbar sein, zum Beispiel, wenn einem etwas im Lauf des Jahres besonders gut gelungen ist, und doch tut man sich in städtischen Gemeinden etwas schwer mit dem Erntedank. Heute gibt es nicht mehr so viele Bauern wie in früheren Zeiten. Die Menschen kaufen ihr Essen oft im Supermarkt und wissen kaum noch, wie es angebaut wird und welche Rolle die Natur und das Wetter dabei spielen. Beim Erntedankfest geht es heute auch um Themen wie Umweltschutz und Gentechnik in der Nahrung. Außerdem werden in vielen Gemeinden nach dem Gottesdienst Früchte an bedürftige Menschen verteilt und es gibt Aktionen, um Hungernden zu helfen.