Kalender der Kulturen

Heute vor 50 Jahren: Brandts Kniefall in Warschau

7. Dezember 1970: Der deutsche Bundeskanzler Willy Brandt legt einen Kranz am Gedenkmal für den Aufstand des Warschauer Ghettos (April 1943) nieder. Plötzlich sinkt der Bundeskanzler auf die Knie und sorgte damit für eine der wichtigsten Symbolhandlungen in der deutschen Nachkriegszeit. Der damalige Außenminister Walter Scheel erinnert sich so: „Plötzlich wurde es ganz still. Ich bin sicher, dass er das nicht geplant hat. Aber damit hat er mehr für das Ansehen der Bundesrepublik in der Welt getan als alle Bundesregierungen mit ihren Bemühungen zuvor.“ Unmittelbar nach Brandts Kniefall befragte das Hamburger Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ die Öffentlichkeit: „Durfte Brandt knien?“ 41 Prozent der Westdeutschen hielten die Geste für angemessen, 48 Prozent für übertrieben. Brandts politische Gegner antworteten mit dem Ruf „Brandt an die Wand“. Das Nobelpreiskomitee sah es anders und verlieh Willy Brandt am 10. Dezember 1971 den Friedensnobelpreis.